GEGEN DIE KRISENSTIMMUNG

Ich habe in den letzten Monaten mit vielen unserer Kunden und Geschäftsfreunde über die Krise und Ihre Erwartungen für 2009 und 2010 gesprochen. Ein großer Teil freut sich über besonders hohe Auftragsstände bzw. wachsendes Geschäft, erwartet gleichzeitig aber negative Effekte für dieses und nächstes Jahr (ohne dass diese konkret absehbar sind).

Offensichtlich gilt: je mehr darüber geredet wird, desto düsterer die Einschätzung (siehe Weltwirtschaftsgipfel in Davos). Eine Art Nachrichtensperre würde sicherlich spürbare positive Effekte bringen.

Daher ein paar Positive Erfahrungen und Gedanken aus unserem Umfeld beisteuern

Wir selbst konnten in den letzten Monaten zwar Redimensionierungen von einigen wenigen Kunden erleben, gleichzeitig auch deutlich erhöhte Anfragen und Abschlußrate über alle Standorte. Dies deckt sich mit den Erfahrungen unserer Branche europaweit. An unserem neuesten Standort im ersten Bezirk, www.graben19.at, etwa haben wir nach nur 7 Monaten nach Eröffnung die Vollauslastung erreicht.

Generell wurde in den letzten Monaten in Wien eine besonders hohe Neuvermietung im Bürobereich verzeichnet.

Wenn man die Tageszeitungen durchliest, werden Rekordergebnisse 2008 (VIG) gemeldet, Übererfüllung im laufenden Quartal (Siemens), größte Auftrageingänge der Geschichte (Rosenbauer), Von den Infrastrukturprogrammen werden offensichlich viele wichtige Industrieunternehmen profitieren. (Die US Autobauer wären in der heutigen Form wahrscheinlich früher oder später sowieso Geschichte gewesen, auch ohne Krise)

Gleichzeitig gibt es es täglich Negativmeldungen aus dem Banken, Finanz und Automotive Bereich sowie (schlagend werdende) Probleme einzelner Länder und Staatshaushalte. Gerade die Österreichischen Bankinstitute sollen durch Ost Europa besonders betroffen sein.

Dass die (bevorstehende?) Krise Ihren Auslöser im wesentlichen in der kreativen, betrügerischen, fehlerhaften, gutgläubigen oder einfach “motivierten” Bewertung von Aktiva unterschiedlichster Art, somit im Finanzbereich im weitesten Sinne nahm ist zumindest für mich evident.

Daraus resultiert nun im wesenltichen eine Bankenkrise und daher eine Finanzierungskrise für Unternehmen.

Die Negativmeldungen in den Zeitungen, daß niemand mehr Kredite und Rahmen bekommt, halte ich eher für eine Mähr und Stimmungsmache . Mir ist in unserem Umkreis kein bestehendes einigermaßen erfolgreiches Unternehmen bekannt, daß wegen der Krise keine Finanzierungen bekommt, natürlich werden höhere Bankmargen verrechnet. Nachdem auch Banken gewinnorientiert arbeiten müssen und die Roulettetische geschlossen wurden, sind diese ja geradezu gezwungen im klassischen Bereich Gewinne zuerzielen.

Kapital quo vadis?

Obwohl viele Kapitaleigner, auch in unserem Umfeld, an der Börse, bei Fonds uä viel Geld verloren haben und Vermögen vernichtet wurde, hat der Vertrauensverlust offensichtlich zur Folge, dass nun beträchtliches privates Kapital in Liquidität frei gesetzt wurde, das nun Investitionsmöglichkeiten sucht – angesichts der derzeitigen Sparzinsen. Angeblich lauern prall gefüllte, milliardenschwere Private Equity Fonds nur darauf, unsere Banken zu übernehmen, Immobilientransaktion durch Private finden zumindest in Österreich gehäuft statt, halt zu etwas gemäßigteren Werten…. Das Kapital ist offensichtlich vorhanden und wird offensichtlich wieder vernünftig.

Es ist daher wirklich zu hinterfragen, ob das richtige Rezept ist, das Geld vor allem in marode Banken bzw. besser marode Aktiva oder die Automobilbranche ohne Effekte für die viel zitierte “Realwirtschaft” zu versenken oder nicht vielleicht die Gelegenheit zu nutzen, staatliche Mittel und Garantien massiv für Eigenkapital, Mezzanin, Direktförderungen auszubauen, weiters neue Modelle zu finden wie privates Kapital in die Unternehmen fließen kann und damit die latente seit Jahren bejammerte Eigenkapitalschwäche der österreichischen Unternehmen zu beseitigen.

Nachdem man eine Bankaustria (vorsätzlich) und Bawag (gezwungenermaßen) verschleudert hat, könnte man doch die kolportierten Milliardenzuflüsse ausländischer Herkunft in unsere Banken zulassen, um diese wieder auf Vordermann zu bringen und die eigenen Mittel besser verwenden.

Vor allem stelle ich mir als volkswirtschaftlicher Laie die Frage, was es bringt, wenn man die Banken nun von faulen Aktiva befreit, Unsummen dafür in die Hand nimmt, gleichzeitig keine Kredite an Unternehmen gegeben werden und die bestehenden Kredite in der Folge faul werden?

Weiter vestehe ich die Negativmache zu Osteuropa (gesamt) nicht, die Haushalte sind viel geringer verschuldet als bei uns, die Schwarzarbeit blüht und gedeiht – jetzt halt wieder mehr, die Leute sind krisenerfahren bzw. haben Jahrzehnte in einer Dauerkrise verbracht. Die werden die Krise sicherlich besser überstehen als wir. (Angeblich kommen diese Analysen von englischen und amerikanischen Analysten, die noch nie im Leben in Osteuropa waren?)

Also in Summe ist es bzw. könnte es gar nicht so schlimm werden, je mehr die Stimmungsmache v.a in den Medien negativ ist desto schlimmer wird es.

Ich würde mich über Ihre persönlichen – bevorzugterweise positiven – Gedanken zur Krise freuen (vielleicht auch Ideen oder Wünsche was wir speziell in Zeiten wie diesen für unsere Kunden machen könnten?)

Mag. Alexander Varendorff
Bena Geschäftsführung

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