Krugman lässt nicht locker: In seinem Blog erklärt er, warum uns eine „Bankenrettung bevorsteht, die die nationalen Ressourcen ziemlich belasten“ werden.
Vor wenigen Tagen liess Paul Krugman mit dem Sager aufhorchen, Österreich sei ein „heisser Pleitekandidat“. Von wegen 293 Millionen Euro ausstehender Kredite heimischer Banken in Osteuropa, 35000 Euro pro Kopf, sie wissen…
Nun, Finanzminister und Agrarökonom Josef Pröll hat unser aller Heimat natürlich sofort mit Inbrunst verteidigt: Krugmans Äußerungen seien, so (der mit EU-Schutzschirmforderungen zuletzt auf Osteuropa-Banken-Tour befindliche) Pröll, „absolut absurd“.
Doch wer ist dieser Paul Krugman – und was steckt hinter dieser Äußerung? Geltungsdrang, geschicktes Marketing für seine Bücher oder gar die politische Agenda, den Euro schwach zu reden?
Paul Robin Krugman, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Princeton University ist durch und durch Neoliberaler. Er gehörte in den 80er Jahren dem Rat der Wirtschaftsexperten der Regierung unter Ronald Reagan an. Zugleich war Krugman Zeit seines Lebens ein ungemütlicher Querdenker. Er schied aus Reagans Beraterteam mit der Bemerkung, dass seine „kritischen Argumente zu wenig Gehör fanden“.Er gehörte er zu den wohl schärfsten Kritikern der konservativen Wirtschaftspolitik der Regierung Bush (und mithin der Niedrigzinspolitik, die die Internetblase und die Kreditblase befüllten). Jetzt kritisiert er Barack Obamas Rettungspläne lauthals. Und: Seine „neue ökonomische Geografie“, das Werk für das er den Nobelpreis bekam, identifizierte in weiten Zügen schon vor vier Jahren die weltweiten Disparitäten, die die gegenwärtige Rezession mitverursachten.
Zumindest der politischen Einflussnahme dürfte Paul Krugman also unverdächtig sein. Wollte er den Absatz seines neuesten Werkes („Die neue Weltwirtschaftskrise“ erschienen im Februar auf Deutsch) ankurbeln, hätte er wohl eher Deutschland als Reibebaum gesucht. Er selbst hat seine Äußerungen über Österreich im Übrigen weitergesponnen. In seinem täglichen Blog hat er der Aufregung rund um seinen Österreich-Sager folgende Zeilen gewidmet: „Ist Österreich dem Untergang geweiht? Natürlich nicht. Aber dem Land könnte eine Bankenrettung bevorstehen, die die nationalen Ressourcen ziemlich belastet. Und Österreich ist das Industrieland mit den höchsten Risken aus der Finanzkrise. Das sollte angesichts der vorliegenden Zahlen eigentlich nicht umstritten sein.“
