Welche Medien bereits vor 2007 kritisch berichteten

Viel ist darüber geschrieben worden, warum Medien die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise nicht kommen sahen. Warum sie die maßlosen Übertreibungen, die Schattenmärkte und die selbstverliebten Defraudanten nicht enthüllten. Und wie sehr Journalisten zu willfährigen Hofberichterstattern machen liessen. Möglicherweise gilt das nur für eine Vielzahl von Kollegen – nicht für alle. Die renommierte Columbia Journalism Review hat in einem Forschungsprojekt die Finanzberichterstattung von 2000 bis 2007 analysiert und – immerhin – 727 investigative Stories gefunden, die den Bankern der Wall Street einen Spiegel vorhielten. Unglaublich etwa, dass bereits am 22. November 2004 eine Story auf der Titelseite des WP über die Unvereinbarkeit der Arbeit von Rating Agenturen – und wie sehr sie bei gebündelten Krediten daneben liegen („Borrowers find System open to Fraud“).  Oder die Story der LA Times vom 28. März 2005, („Doubt Is Cast on Loan Papers“) über das strukturelle „schönrechnen“ von Schuldnern. Ganz zu schweigen von der November-Titelstory 2006 des BW, „Nightmare Mortgages“, die aufdeckt zu welchen Konditionen geliehen wird – und wie pervertierte Anreizsysteme dazu führen, dass eigentlich nur noch kreditunwürdige Kapital bekommen. Die insgesamt 727 Kassandras sollen jetzt nocheinmal (möglicherweise in einer Art Buch) breitere Öffentlichkeit erfahren. Wer die Liste und den grossteil der wirklich brillianten Artikel schon jetzt lesen will, kann dies hier tun.

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