Chuzpe des Tages

Frau Bleyleben-Koren erklärt die Welt

Erste-Bank Vorstand Bleyleben-Koren: Sollte jemand, der sich soeben sechs Millarden Euro an Staatsgarantien des Steuerzahlers ins Haus geholt hat nicht mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein?

Dieses Interview ist ein wenig untergegangen. In der aktuellen Ausgabe des – an sich brilliant gemachten – Branchenblattes „Der österreichische Journalist“ wird die Grande Dame der heimischen Finanzwirtschaft, Erste-Bank Vorstand Elisabeth Bleyleben-Koren, kuschelweich danach befragt wer Schuld an der Finanzmisere trägt: Überraschende Einsicht von Frau Koren: Auch – und vor allem – der Schreiberling in den Redaktionen. „Ich erlebe die Berichterstattung sehr einseitig“ sagt Koren in dem Interview, „das führt zu einer großen Verunsicherung der Konsumenten und verschlimmert die Krise.“ Frau Bleyleben-Koren führt dann die Berichterstattung über die Ost-Kredite heimischer Banken an – vor allem die Tatsache, dass angelsächsische Ökonomen diese als hochriskant bewerten. Und folgert dann: „Am Tag nach der Lektüre der meisten Zeitungen kauft sich der Konsument dann eben keinen neuen Fernseher oder neuen Kühlschrank.“ Das sitzt – und ist in vielerlei Hinsicht Impertinent. Sollte eine Managerin, die sich soeben sechs Millarden Euro an Staatsgarantien des Steuerzahlers ins Haus geholt hat nicht mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein?  Hat ebenjener Steuerzahler nicht zudem ein Recht darauf zu Wissen, für welche Risken sein sauer Verdientes gerade steht? Möglicherweise sollte Frau Koren bei Ingeborg Bachmann nachlesen. Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar. Auch wenn die Wahrheit manchmal möglicherweise etwas zugespitzt ist…

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