Ob Badeurlaub, Bergtour oder Balkonien – diese Bücher sollten Sie heuer ebenso ins Urlaubsgepäck packen wie Sonnencreme: Vom lehrreichen Werk Hermann Simons, „33 Sofortmassnahmen gegen die Krise“ über die Einsichten von Rainer Grunert zum Thema „Vision einer fairen Wirtschaftsordnung“ bis zu Püttjer & Schnierdas praktischen Tipps zum „Überzeugenden Vorstellungsgespräch auf Englisch“ – ein Überblick über die Sommerlektüre für Führungskräfte.
Hermann Simon
33 Sofortmaßnahmen gegen die Krise.
Campus Verlag, Frankfurt 2009
„Sofortmaßnahmen“ meint der Autor wörtlich. Denn diese Massnahmen müssen binnen weniger Monate, wenn nicht Wochen wirken, um das Überleben in der aktuellen Krise zu sichern. Denn diese Krise ist keine Kosten-, sondern eine Absatzkrise: Kunden verweigern den Kauf, weil niemand weiß, wie es weitergeht. Wenn die Umsätze um 40 Prozent einbrechen, reichen Kostensenkungen allein nicht mehr aus, auch wenn Simon einräumt, dass manche Unternehmen auch um Massenentlassungen nicht herum kommen werden. So einfach verständlich die Überlegungen des Autors sind, so hochtrabend lauten dagegen viele Krisenbewältigungsrezepte wie Innovation, Diversifikation, vertikale Integration oder neue Geschäftsmodelle. Das sollte man sich für bessere Zeiten aufheben, auch wenn es Cash-starken Unternehmen unbenommen sei, jetzt schwache Mitbewerber zu übernehmen. Diese Strategien sind wenig geeignet, kurzfristige Umsatz- und Gewinnlöcher zu schließen. Andere Ideen Simons sind jedoch durchaus sofort umsetzbar. Hermann Simon ist zu Recht Deutschlands oberster Management-Vordenker. Seine Analyse ist praxistaugliche BWL in Reinform, nüchtern und klar. Und er weiß, wie man sie ebenso kommuniziert. Dieses Buch zu lesen ist die erste Sofortmaßnahme gegen alles Unnheil.
Rainer Grunert
Vision einer fairen Wirtschaftsordnung. Ein Weg aus der Krise.
Windpferd Verlag, Oberstdorf 2009.
Ein Gedankenanstoß für die nächste Diskussion gefällig? Nehmen Sie mit, was Rainer Grunert zu sagen hat, wenn es demnächst um die Austrocknung von Steueroasen (und damit auch des heimischen Bankgeheimnisses!), dem Kampf gegen Steuerwettbewerb (da mischen wir, Stichwort Stifungsrecht, durchaus mit!) und der Regulierung der Finanzmärkte geht. Grunert legt – auch für den Nicht-Finanzer leicht verständlich – dar, dass das Wirtschafts- und Geldsystem hat nie wirklich funktioniert hat. Krisen begleiten uns, seit es Wirtschaft gibt, und häufen sich, je enger die Welt zusammenwächst. Das Geflecht der Abhängigkeiten ist so komplex, dass selbst Spezialisten die Funktionen einzelner Stellschrauben und deren Einfluss auf das Ganze nicht mehr durchschauen. Und diese Maschinerie wird mit jeder Krise noch komplexer, weil neue Regeln und Zahnräder hinzugefügt werden. Grunert versucht die Vision eines Systems, das alle verstehen und aus wenigen Komponenten besteht: faire Verteilung des Grundeigentums und ein weltweites bedingungsloses Einkommen und die Gleichsetzung von Geld und Waren. Eine Vision, gewiss, aber argumentativ bestechend und in einer Zeit, die ökonomisches Umdenken erfordert, ein sinnvoller Anstoß.
Klemens Kalverkamp
Miteinander ernten. Das Erfolgsgeheimnis des German Management.
Wiley VCH Verlag, Weinheim 2009.
Der Autor ist Geschäftsführer der Grimme Landmaschinenfabrik, eines deutschen Mittelständlers, der zu den „Hidden Champions“ zählt: Weltmarktführer, seit Generationen im Familienbesitz, global tätig – und weitgehend unbekannt. Kalverkamp führt ein leidenschaftliches Plädoyer für die unspektakuläre, jedoch höchst effektive Art, wie Unternehmer seines Schlages ihre Firmen führen. Mögen die periodisch angesagten Managementgurus gerade wieder neue Säue durchs Dorf treiben, gelte es doch immer, die Rolle des Menschen in einem hochtechnologisierten Produktionsprozess zu bestimmen. Leistungsfähige Leute, die mit Hochtechnologie umgehen und weiterentwickeln können, benötigen Spielraum, Wertschätzung und Gestaltungsfreiheit. Wie sich das bei ihm im Unternehmen vom Werkstor bis zur Endmontage abspielt, beschreibt der Autor herzerfrischend unkompliziert und so, dass man ihn beinahe be-greifen kann: einen Manager, der sein Unternehmen, seine Produkte, seine Mitarbeiter nicht nur managt, sondern auch kennt und unverhohlen gern hat.
Tom Schmitt, Michael Esser
Status-Spiele. Wie ich in jeder Situation die Oberhand behalte.
Scherz Verlag, Frankfurt 2009
Status passiert immer und überall, postulieren die Autoren: Man hat immer einen, und er bestimmt darüber, wie wir kommunizieren und was wir erreichen. Wer das durchschaut, kann das Statusspiel eröffnen, in dem es um Sympathie und Respekt geht. Status lässt sich schematisch zuordnen: Es oszilliert zwischen den Achsen Ablehnung und Sympathie, zwischen Nachgiebigkeit und Durchsetzungsvermögen. Da gibt es den Charismatiker: Er gibt sich nach außen „tief“ und fühlt innen „hoch“, ein Zustand, mit dem es gelingt, respektiert zu werden und sympathisch zu wirken. Wie sich dieses Wissen in brenzligen Situationen in Beruf und Liebe nutzen lässt, wird in gar nicht abwegigen Beispielen beschrieben. Das macht Lust, selbst ein Spielchen zu wagen.
Ori und Rom Branfman
Kopflos. Wie unser Bauchgefühl uns in die Irre führt.
Campus Verlag, Frankfurt 2009
Würde der Mensch vernunftgetrieben handeln, wäre nach gängiger ökonomischer Lehre die aktuelle Krise gar nicht erst entstanden. Irrationales Verhalten lässt Patienten im Krankenhaus sterben, ließ das Spaceshuttle Challenger abstürzen, führte zu fatalen Fehlentscheidungen in Großkonzernen oder beeinflusst die Leistungen der Mitarbeiter trotz Boni. Unser Verhalten und Entscheidungsprozesse werden von psychischen Unterströmungen beeinflusst; diese sind sehr viel stärker und weiter verbreitet als wir gemeinhin annehmen. Atemberaubend gut geschrieben, machen die Erkenntnisse der Autoren deutlich, wie wir uns täglich von diesen Kräften unterwandern lassen.
Christine Bauer-Jelinek
Die helle und die dunkle Seite der Macht.
Ecowin Verlag, Salzburg 2009
Noch ein Buch aus der „Bauch-Etage“. Der Autorin geht es um die positive Auseinandersetzung mit Macht, um Machtinstrumente sinnvoll einsetzen zu können. Als Leiterin des Instituts für Macht-Kompetenz forscht sie seit Jahren zu den „Spielregeln der Macht“, so ihr gleichlautender Bestseller aus dem Jahr 2007. In dem vorliegenden „Lehrbuch der Macht-Kompetenz“ systematisiert sie ihre Beobachtungen. Sie beschreibt individuelle Erfahrungen mit der Macht und ihre gesellschaftlichen Hintergründe und untersucht Mechanismen der Macht, Instrumente und Schauplätze und wie ein kultivierter Umgang mit Macht möglich ist. Das Buch soll Orientierung bieten für den Umgang mit widersprüchlichen Werten in einer pluralistischen Gesellschaft und bei persönlichen Gewissensentscheidungen.
Püttjer & Schnierda
Das überzeugende Vorstellungsgespräch auf Englisch.
Campus Verlag, Frankfurt 2009.
Why should we give you the job? Es kann schon mal passieren, dass diese Frage mitten im Vorstellungsgespräch gestellt wird: Immerhin verfügt der Kandidat laut Lebenslauf über gute Englischkenntnisse. Wer dann souverän die Sprache wechselt und ohne viel „ähm“-Gestammel weitermacht, gewinnt mit Sicherheit Bonuspunkte, denn trotz Auslandsaufenthalte erweisen sich die Englischsprachkünste der meisten Berufsanfänger als eher bescheiden. Mit diesem Buch liefern die Bewerbungsexperten flexible Module für zahlreiche Gesprächssituationen. Sie setzen wortkarge „Denglisch“-Aussagen passenden „good answers“ gegenüber, sodass auch ein Einblick in den Unterschied zwischen deutschen und englischen Selbstdarstellungsusancen gegeben wird.
