Lektüre für das Wochenende

Für das (verregnete) kommende Wochenende wollen wir Ihnen drei Titel ans Herz legen. Der erste könnte zur Beruhigung aller Selbstzweifler beitragen – befasst er sich doch damit, wie Talent erlernbar ist. Ausserdem: Ein (ausnahmsweise nicht platter, pseudo-feministischer) Karriere-Ratgeber für Frauen und ein Werk über die Globalisierung und Ihre Auswirkungen auf heimische Unternehmen. Auf die Couch mit Ihnen!

Werner Siefer: Das Genie in mir. Warum Talent erlernbar ist.

Campus Verlag, Frankfurt 2009

Kann man neben dem angeborenen Talent auch durch Training ein Genie werden und sich von der Masse abheben? Gibt es eine Trennmauer zwischen Talent und Genie? Werner Siefers These ist, dass sich Talent durchaus ausbauen lässt. Als ein Beispiel dient Österreich liebstes Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart: Dieser habe, so die wenig erbauliche Ansicht, eben früh und viel geübt und seine ersten Werke auf Basis bereits bestehender geschrieben; als er und seine Schwester Nannerl als Wunderkinder vermarktet wurden, hätten sie dank väterlicher Strenge bereits 3500 Stunden mit eisernem, Exerzieren zugebracht. Der Autor befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Genialität – Inselbegabungen der Autisten, so genannte Savants, Hirnforschern, IQ-Tests und Lerntechniken. Immer wieder stößt er auf Hinweise, dass im Leben von Genies weniger die intellektuelle Überlegenheit entscheiden ist, sondern Neugier, Interesse und eine bis zur Selbstaufgabe reichenden Entschiedenheit. Weite Strecken sind den Protagonisten überragender Gedächtsnis- und Rechenleistungen gewidmet; so sei Inteligenz nicht die wichtigste Voraussetzung eines Gedächtnischampions, sondern eher eine reiche Fantasie: die Visualisierung und Verknüpfung der Inhalte regen die Vorstellungsvermögen an und öffnen die Tore das Hippcampus als zerebraler Ort bildlicher Vorstellungskraft und Orientierung im Raum. Sport, Sprachen, Mathematik, Musik – Siefer durchstreift die Domänen der genialen Höchstleistungen und erläutert, wie die Lernmuster ablaufen und wie erworbenes Wissen zu neuem führt. Wenn Talent also erlernbar ist, bleibt auch eine Schattenseite: Dem Einzelnen wie auch der Geselschaft erwächst aus der Freiheit des Lernens auch eine Bürde: Es wiegt schwerer, erfolglos zu sein, wenn man es versäumt hat, seine Fähigkeiten zu erlernen, als wenn man n der Genlotterie einfach kein Glück hatte.

Barbara Schneider: Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf.

Gabal Verlag, Offenbach 2009

Qualifikation ist wichtig den Einstieg; für den Aufstieg gilt es, sich im Unternehmen oder am Markt zu verkaufen. Die meisten Managerinnen kommen über die zweite Führungsebene nicht hinaus, jedenfalls nicht dorthin, wohin sie aufgrund ihrer Kompetenzen eigentlich gehörten. Es geht nicht darum, zu werden wie ein Mann (die sich gern Jobs greifen, die ihnen ein zwei Nummern zu groß sind). Sondern darum, sich mit betont männlichem Verhalten auseinanderzusetzen, ihre Verhaltensweisen zu durchschauen. Männer lieben Konkurrenz, Frauen bevorzugen Kooperationen. Frauen meinen, wenn sie nur gut genug wären, wird das schon jemand erkennen und sie befördern. Währenddessen ziehen gleich oder weniger qualifizierte Männer an ihnen vorbei. Was sich im Titel an einen einstigen Erfolgstitel von gewollt frecher Emanzenrhetorik anbiedert, entpuppt sich als ungewöhnlich gefasster und ausgewogener Text zum ewigen Thema. Das halten auch Frauen aus, denen das alte Lied von „Frau im Management“ schon zum Hals raushängt.

Klaus Malle: Top oder Flop. Herausforderungen und Chancen für österreichische Unternehmen in der multipolaren Welt.

Linde Verlag, Wien 2009

In der multipolaren Welt werden sich alte und neue Wirtschaftsmächte auf Augenhöhe gegenüberstehen; die aktuelle Krisensituation beschleunigt diese zweite Phase der Globalisierung zusätzlich. Klaus Malle, Österreich-Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Accenture, sieht einen Konkurrenzkampf der etablierten Industrienationen mit den neuen Playern aus Lateinamerka und Asien auf dem Gebiet der besten Arbeitskräfte, um Kapital und Rohstoffe, um Konsumentenmärkte und vor allem um die attraktivsten Ideen und Erfindungen. Und was macht Österreich mittendrin? Es gibt genügend Unternehmen, die an der globalen Front dabei sind – der Autor beschreibt, wie Andritz, Rosenbauer, Wienerberger, Strabag & Co. in diesem Konkurrenzkampf agieren und schafft damit eine interessante Werksführung durch die Vorzeigenunternehmen der heimischen Industrie.

Pechvogel des Jahres

Sie ärgern sich darüber, dass Ihre Lebensversicherung ihnen gerade mitgeteilt hat, dass der Wert ihres Fonds im vergangenen Jahr um ein Viertel gesunken ist? Es ist zwar ein schwacher Trost, aber einige hat es weitaus härter getroffen. Darf ich Ihnen John McAffee vorstellen? Ja, der Mc.Affee. Er hat 1987 die berühmten Antivirus- und Computersicherheitssoftware mit Firmensitz in Santa Clara in Kalifornien gegründet – und wurde mit der Idee, das Basispaket zu verschenken und nur für Updates zu kassieren Multimillionär. Mitte der 90er Jahre verkaufte er sein Aktienpaket – für mehrere hundert Millionen Euro. Der Mann verlor im laufe der vergangenen Monate 96 (!) Prozent seines Vermögens, wie der US-Fernsehsender CBS berichtet. Da relativiert sich wohl einiges…

John McAffee: Der Antivirus-Softwareerfinder verlor 96 Prozent seines Vermögens

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2 Responses to “Lektüre für das Wochenende”

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