Die US-Rezession ist zu Ende – angeblich.
Es war allemal ein Grund für die US-Medien, „Breaking News“ zu senden: Das US-Bruttosozialprodukt, so die überraschende Meldung der Statistikerm wuchs im dritten Quartal 2009 um 3,5 Prozent. Die US-Rezession sei, so wurde vermeldet, per 1. November 2009 offiziell zu Ende. Doch was bedeuten diese 3,5 Prozent? Liest man das Kleingedruckte, so stellt man fest, dass es sich dabei um das Wachstum des dritten Quartals gegenüber dem zweiten Quartal, hochgerechnet aufs Jahr handelt. Die US-Wirtschaft ist also im Juli, August und September gegenüber April, Mai, Juni gewachsen – und wenn man dieses Wachstum auf 12 Monate hochrechnet, wäre dabei 3,5 Prozent pro Jahr herausgekommen, wie das deutsche Handelsblatt dankenswerterweise konkretisiert. Das was die Überschrift: „US-Wirtschaft wächst um 3,5 Prozent suggeriert“ fand also gar nicht statt.
Auch sonst sind Experten eher vorsichtig, was die Interpretation dieser Zahl anbelangt. So verweist etwa der US-Starökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz im Interview mit dem Finanzsender Bloomberg darauf, dass ohne die massiven Steuerausgaben wahrscheinlich kein Plus vor dem 3,5 der Statistiker stünde. Ebenso skeptisch ist sein Nobelpreis-Kollege Paul Krugman. In seinem wirklich spannenden Blog erklärt er im Vergleich zu den Clinton-Jahren, weshalb selbst anhaltendes Wachstum im Bereich 3,5 Prozent (an das er nicht glaubt) nicht dazu führen wird, dass Arbeitsplätze geschaffen werden und sich die Gesamtwirtschaft daher nachhaltig erholen könnte. Optimistischer sind die Kollegen vom Blog des Wirtschaftsmagazins Barrons. Hier erklären Sie, warum die Wahrscheinlichkeit eines so genannten Double Dip, also einer Rückkehr der US-Wirtschaft in die Rezession bei unter 20 Prozent liegt. Dass all das Gerede um ein offizielles Ende der Rezession hat allerdings für den US-Bürger eher wenig Bedeutung, meint Allison Kilkenny, hervorragende Bloggerin der US-Seite Huffingtonpost. Weder spiegle das BIP die tatsächliche Lage der Wirtschaftskraft wider, noch – und schon gar nicht – jene der US-Bürger. Spannende Lektüre!
