Buchtipps für die Weihnachtszeit

Warum heuer Kollegen und Mitarbeiter nicht mit Büchern beschenken? Wir haben vier – brilliante – Vorschläge für alle Geschmäcker. Etwa die Muss-Lektüre für Hobby-Ökonomen: Lisa Niehaus, Die Blindgänger – Warum Ökonomen auch künftige Krisen nicht erkennen werden. Oder die exzellente Analyse der russischen Mentalität für alljene, deren Fokus Osteuropa ist (Susanne Scholl – Russland mit und ohne Seele). Marketingexperten könnte Klaus-Dieter Kochs Was Marken unwiderstehlich macht interessieren. Und Einkaufsmanager dürften an Gerd Kerkhoff: Beschaffung in der Zukunft nicht vorbei kommen. Lesen Sie mehr…
Lisa Niehaus: Die Blindgänger. Warum die Ökonomen auch künftige Krisen nicht erkennen werden.

Campus Verlag, Frankfurt 2009.

Die größte Wirtschaftskrise seit 1929 kam über die Welt, ohne dass die Spezialisten für die Wirtschaft laut und deutlich gewarnt hätten. Während niemand Prognosen in allen Details erwarten würde, hätte man doch gedacht, dass sie Risiken erkennen und vor Gefahren warnen würden. Die meisten Volkswirte waren blind für den Crash an den Finanzmärkten und die Ansteckungseffekte der Krise. Weil frühe Ökonomen sich mit Problemen wie Überbevölkerung, Hungersnöten oder Arbeitslosigkeit beschäftigt hatten, wurde ihre Wissenschaft „the dismal science“ genannt; in den letzten Jahrzehnten musste man hingegen von einer „happy science“ sprechen: Die Ökonomen sahen sich nicht als Warner, sondern als Dienstleister, die halfen, kleinere Fehler im System auszubessern, während sie große, schwer kontrollierbare Fehler vernachlässigten. Man traute entweder dem Markt, dass er nicht mehr so viele Krisen produzieren würde wie einst, oder man traute dem Staat, dass er im Zweifelsfall über die richtigen Mitttel verfügte, wenn die Märkte versagten. Statt sich auf Risiken und Umschwünge zu konzentrieren, entwickelten die Prognostiker ausgefeilte Modelle, um das exakte Wirtschaftswachstum vorherzusagen. Kein Insitut macht statt einer Konjunktur- eine reine Risikoprognose. Konjunkturrisiken werden vielmehr am Rande der Konjunkturberichte diskutiert, ohne dass das große Auswirkungen auf die Vorhersage hat. Selbst wenn Forscher Risiken erkennen, fehlt ihnen oft der Mut, solche Risiken zum Hauptthema ihrer Prognosen zu machen und sie wichtiger zu nehmen als eine Wachstumszahl. Gerade in unsicheren Zeiten sollten sie sich davon verabschieden und sich vor allem mit Risiken (in Aufschwungzeiten mit Chancen) beschäftigen. Die Journalistin Niehaus geht mit den Prognostikern hart ins Gericht. Sie stellt bisherige Prognosen der tatsächlichen Entwicklung gegenüber und beschreibt die Ängste der Ökonomen, abgeschafft zu werden, und ihr daraus erklärbares Verhalten. Bewundernswert kluge Gedanken, die klarmachen, dass Ökonomie keine naturwissenschaftliche, sondern immer noch eine Sozialwissenschaft ist.

Susanne Scholl: Russland mit und ohne Seele.

Ecowin Verlag, Salzburg 2009.

Die russische Seele, über die so viel geredet werde, könne nach einem Glas Wodka durchaus zum Vorschein kommen. Meist ist sie aber ganz tief irgendwo versteckt. Die Menschen in Russland leben in ständiger Anspannung, mit vorgehaltenem Schild und geschlossenem Visier – man könne ja nie wissen, was einem von jemand drohe, den man nicht kennt. Die langjährige Moskau-Korrespondentin Susanne Schooll verabschiedete sich aus Russland mit dieser Reihe sensibler Porträts von Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Klassen. Die armenische Journalistin, die gegen Rassenhass anschreibt, die Taxifahrerin mit zwei Studienabschlüssen, die ihren Manager-Job bei der Geburt ihres Kindes verlor, eine von der Sowjetzeit geprägte Dolmetscherin, oder die Enkelin von Nikita Chruschtschow: Ihre Lebensgeschichten spiegeln die Zerrissenheit und den teilweisen Zerfall des Riesenstaates wider. Vor allem machen sie deutlich, wieviel Kraft es kostet, ein Russe zu sein, in Zeiten der Sowjetdiktatur wie in der Scheindemokratie Putinscher Prägung. Wie wendig man sein muss, um sich ständig neu zu erfinden, und das auch noch als alter Mensch. Mit diesen Geschichten setzt die Russlandkennerin ihren (meist weiblichen) Protagonisten ein Denkmal, ohne sentimental zu werden. Für den Leser erschließt sich ein persönlicher Aspekt, der dieses unfassbar große, schwierige Land historisch, kulturell und  gesellschaftspolitisch beleuchtet.

Klaus-Dieter Koch: Was Marken unwiderstehlich macht.

Orell Füssli Verlag, Zürich 2009.

Warum Markenaufbau? Menschen wollen Vertrauen, denn Vertrauen vereinfacht und beschleunigt Entscheidungen und gibt Sicherheit. Entscheidungs- und Kaufsicherheit ist einer immer komplexer werdenden Welt ein hohes Gut und manchmal wichtiger als die stimulierende Produkt- oder Serviceleistung. Doch dieses Vertrauen ist der Endpunkt einer sehr langen Reihe von Vertrauensbeweisen, sodass Markenaufbau in der Regel länger dauert, als die Verantwortlichen sich wünschen. Bis dahin müssen die Leistungen der Marke auf einem gleichbleibend hohen Niveau erbracht werden. Die damit verknüpften guten Erfahrungen werden vom Kunden gespeichert, und es kommt zu einem „positiven Vorurteil“, das sich ebenso hartnäckig hält wie sein Gegenteil. Pathetisch gesprochen: Die Hauptfunktion von Marken besteht darin, positive Vorurteile zu Vertrauensmonumenten zu verdichten. Dazu führt der Autor 101 (?) Faktoren an, die eine Marke „unsterblich“ machen sollen. Vieles davon sehr hält er sehr kursorisch und ist nichts Neues, aber dafür nimmt er sich der Sache umfassend an.

Gerd Kerkhoff: Beschaffung in der Zukunft.

Wiley VCH Verlag, Weinheim 2010.

Der Einkauf erhält als Steuerungsfunktion in Unternehmen zunehmend Gewicht, Nachhaltigkeit etabliert sich als zentraler Faktor, der Wettbewerb um Experten für Beschaffung nimmt zu, und der Kampf um Energie und Rohstoffe gewinnt an Fahrt. Das sind die vier Megatrends, die die Berater von dem von auf Einkauf und Beschaffung spezialisierten Consultingunternehmens ausgemacht haben. Detailliert wird vor dem Hintergrund der internationalen Arbeitsteiligkeit, Umweltbeeinträchtigungen, sozialer Spannungen und technologischer Innovationsschübe eine Bestandsaufnahme des künftigen Beschaffungswesens erstellt.

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