Lektüre für das Wochenende

Drei Bücher wollen wir Ihnen für dieses Wochenende ans Herz legen: Mehr über die Biografie von Playboy-Gründer Hugh Hefner, den Steven Watts als ein erotomanischen Workaholics und Kontrollfreaks zeichnet, das anekdotische und wirklich lehrreiche Werk „Die dunklen Machenschaften im internationalen Börsenhandel“  von Satyajit Das: Traders, Guns & Money und die ironische Beschreibung von Frauen im Berufsleben von Christopher Flett („Was Männer Frauen nicht erzählen“) finden Sie hier.

Steven Watts: Mr. Playboy. Hugh Hefner und der amerikanische Traum.
Wiley VCH Verlag, Weinheim 2009.
Mit der Gründung des „Playboy „ – mit geliehenen 8.000 Dollar – machte er jedoch seine Berufung, besser Obsession, zum Beruf: Sex. Die Rede ist von Hugh Hefner.Sein Magazin bot eine neuartige Mischung: sexuell Aufreizendes verbunden mit anspruchsvoller Unterhaltung für junge Großstadtmänner, die Entspannung vom Stress suchten. Konsumismus, Filme, anspruchsvolle Literatur von den angesehensten Essayisten Amerikas fanden sich neben derben Zoten. Hefner startete zur richtigen Zeit: Der provokante, ungezogene, aber niemals gefährliche oder subversive „Playboy“ brachte viele der neuen Wertvorstellungen in Amerika nach dem Krieg zum Ausdruck. Mitten in der Ära Eisenhower stellte Hefners Magazin zwar nicht die Eckpfeiler des amerikanischen Lebens nicht in Frage, kanalisierte aber die Rastlosigkeit junger Männer und ermutigte sie, ihre Zurückhaltung aufzugeben: Work hard and play hard.  Er habe die sexuelle Revolution praktisch im Alleingang betrieben, wird Hefner heute nachgesagt, er sei einer der Hauptakteure beim Wandel der amerikanischen Kultur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Den Höhepunkt sah Playboy Enterprises Anfang der siebziger Jahre, mit sieben Millionen Auflage und einem Imperium von Clubs und Unterhaltungsfirmen; zuletzt gab es im November 2009 Spekulationen über einen Verkauf der schwer defizitären Gruppe. Dem erfolgreichsten Erwachsenen-Magazin der Welt haftet nunmehr etwas Muffig-Altbackenes an. Die Biografie des Hefner ist sicher interessant, auch übers Voyeuristische hinaus; geschrieben (und übersetzt und lektoriert) ist sie leider nicht gut – voll von widersprüchlichen Aussagen und „denglischen“ Redundanzen.

Satyajit Das: Traders, Guns & Money. Die dunklen Machenschaften im internationalen Börsenhandel.
FinanzBuch Verlag, München 2010

Für die einen sind sie innovative Finanzinstrumente, für die anderen Massenvernichtungswaffen: Derivate. Seit den 70er Jahren ist der Autor im Derivatehandel tätig; sein Buch erzählt anekdotisch, wie die Produkte erfunden wurden, wer wie mit ihnen handelt und welche Praktiken herrschen. Zuletzt rückten sie im Zusammenhang mit der Kreditblase als Credit Default Swaps (CDS) und Collaterized Debt Obligations (CDO) in den Mittelpunkt des Interesses und wurden als Mitverursacher der Finanzkrise ausgemacht, weil sie ermöglichten, das Kreditrisiko grenzenlos weiterzugeben. Auch die Möglichkeit des Leerverkaufs von Kreditinstrumenten, die hohe Fremdfinanzierung von Positionen, elegant „Leverage“ bezeichnet, und der unbeschränkte Handel ohne zugrunde liegendes Geschäft sind für viele Zeitgenossen reines Teufelszeug. Satyajit Das wertet nicht, er erklärt. Beispielsweise wie zu viel Liquidität bei gleichzeitig zu wenig Verständnis und Rendite für das Risiko die Blase ermöglichte. Er erzählt von unbedarften Banken und Investoren, von redegewandten, jedoch sonst nicht allzu bildungsbelasteten Händlern. Daneben entwirft er zahlreiche Schautafeln, auf denen Swaps und Finanzierungsgebilde dargestellt und berechnet werden. Die englische Ausgabe dieses Buchs wurde 2006 abgeschlossen; bemerkenswert ist daher im Nachhinein, wie treffsicher Das den explosiven Charakter dieser mysteriösen Finanzinstrumente darlegt.

Christopher Flett: Was Männer Frauen nicht erzählen.
Wiley VCH Verlag, Weinheim 2009.
Hier spricht ein Alpha-Mann. Und der hat folgende Klischees über die Frau im Kopf: Irgendwann wird sie versuchen, niedlich zu sein, um zu bekommen was sie will (statt angemessen zu verhandeln). Sie wird sich aufregen und weinen, wenn er bei einem Geschäftsabschluss nicht in ihrem Sinn agiert. Er kann ihr nichts Privates erzählen, wenn es nicht die ganze Welt erfahren soll. Sie wird versuchen, in seinem Windschatten zu fahren. Und so weiter. Wer ist dieser Mann? Groß und vierschrötig posiert er auf dem Umschlag, innen erzählt er von seinem Werdegang zum Alphatier und wie er erkannte, dass Frauen mit seinesgleichen falsch kommunizieren. Und jetzt gibt er Ratschläge, wie auch frau die Führung übernehmen kann. Angeblich mit Erfolg (was die Zahl der Vortragszuhörerinne betrifft), aber Alphas sind ja bekanntlich auch gut im Schaumschlagen. Obendrein strotz das Buch von Amerikanismen, die mit der Arbeitswelt hierzulande nicht viel zu tun haben.

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