Für das kommende (saukalte) Wochenende haben wir vier Buchtipps für Sie zusammengestellt:
Nikolaus Piper: Die Große Rezession. Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft
Hanser Verlag, München 2009
Wenn Piper die ökonomische Weltordnung vor dem großen Knall 2008 beschreibt, zieht er einen weit zurückliegenden historischen Vergleich. Die Wall Street, schreibt er, spielte beim Entstehen der jüngsten Großen Rezession dieselbe Rolle wie 400 Jahre zuvor das Silber beim Niedergang des spanischen Weltreichs. War es damals das Silber aus Peru, das den Reichtum Spanens begründete, die Preise in die Höhe trieb und schließlich die Handelsbilanz in ein riesiges Defizit riss, so war es in den USA die Geldmaschine der Wall Street, die die wachsenden Ungleichgewichte antrieb: Das Defizit im Außenhandel stieg in nie gekanntem Ausmaß, die Regierung führte teure Kriege, ohne sich um deren Finanzierung zu kümmern; kurz, die Amerikaner beanspruchten den größten Teil des überschüssigen Kapitals der Welt und stützten die Konjunktur fast überall jenseits ihrer Grenzen. Bis diese Geldmaschine im August 2007 zu stottern begann – der Rest ist als größte Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen Depression bekannt. Man sieht schon, die Thematik des Buches ist eine mittlerweile häufig gelesene; doch wie der US-Wirtschaftskorrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ sie behandelt, hat eine eigene Qualität: Piper schildert die Zusammenhänge der Krise in einer gewissen epischen Breite, ohne jedoch langatmig zu werden. Immer wieder greift er auf die Erfahrung früherer Krisen zurück, auch um zu vergleichen, welche Fehler wiederholt wurden und wer vor ihnen gewarnt hatte oder sie gar vermieden hat. Also erfährt man einiges über Börsenkrachs und Blasen, etwa warum es 1997 zur Asienkrise kommen konnte, deren Auftakt der freie Fall des thailändischen Baht bildete. Dass die Weltwirtschaft ein kommunizierendes Gefäß ist, versteht man nach solchen Schilderungen. Zu den historischen Hintergründen erläutert der Autor auch, was das Eigenheim seit jeher für den amerikanischen Bürger bedeutet und warum Banker, die „subprime“-Kredite vergaben, in Amerika als Agenten des sozialen Fortschritts galten. Da wird auch schon mal die Weihnachtsschmonzette „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart als guter Banker gegen bösen Immobilienhai aus der Mottenkiste geholt. Als Anhänger des Ökonomen Hyman Minsky, der die inhärente Instabilität (versus die Effizienz) der Finanzmärkte beschrieb, glaubt auch Piper an den Zyklus von Euphorie, Panik und Krise, einhergehend mit entsprechenden Typen von Finanzierungen: ordentliche (Hedge-) Finanzierungen, spekulative und schließlich Ponzi- (Schneeball-)Finanzierungen. Einen Grundkonsens aus der Krise sieht Piper in eine Wirtschaft mit niedrigeren Invstitionen und hohem Konsumanteil, einer Wirtschaft also, die langsamer wächst, aber weniger Risiko ausgesetzt ist. Mehr Regulierung und Transoarenz, die auch innovative Finanzprodukte mit einschließen.
Utz Claassen: Wir Geisterfahrer.
Murmann Verlag, Hamburg 2009
Bewusst überspitzt fragt der Autor: Ist es nicht dramatisch, wenn man als Folge der Krise nun einen bewährten Koordinationsmechanismus und eine ganze Wirtschaftsordnung in Frage stellt, die der Welt in Summe mehr Wohlstand gebracht haben als man je zuvor kannte? Dass man auf eine Schuldenkrise mit dem Auftürmen neuer Schuldenberge von nie zuvor gekannter Höhe reagiert? Soll man Schulden mit Schulden bekämpfen? Und unsere gegenwärtigen Probleme nahezu ausschließlich zulasten und auf Kosten nachfolgender Generationen zu lösen? Claassen, ehemaliger Sanierungsmanager u.a. bei SEAT und EnBW, stellt die Handlungsweise der wirtschaftlichen und politischen Eliten in Frage. Er untersucht die Faktoren, die abseits der finanztechnischen und regulatorischen Ursachen mit an der Krise beteiligt gewesen sein könnten, und beschäftigt sich mit denjenigen, die mehr im menschlich-professionellen Bereich liegen. Etwa mit der Aussage eines Aufsichtsratschefs einer deutschen Bank, der bekundete, keine Chance gehabt zu haben, das Risiko zu erkennen und die Existenzkrise abzuwehren. Können Aufsichtsräte generell keine Risken erkennen oder war dieser eine dazu nicht in der Lage, aus welchen Gründen aus immer? Logischer Schluss wäre, Aufsichtsräte per se abzuschaffen bzw. die Professionalität oder Sorgfalt des besagten Kontrollgremiums in Frage zu stellen. Dummheit, Faulheit und Gier auf der einen Seite und dann die Hinwendung zum Staat auf der anderen Seite – sieht so eine mündige Bürgergesellschaft aus, die das hinnimmt? Claassen plädiert für den „reinen“ Markt, in dem alle Teilnehmer identische Informationen haben, im Gegensatz zu den „unreinen“ Märkten, die zur Finanzmarktkrise geführt haben. In einem reinen Markt hat der Kleinanleger die gleichen Chancen wie der professionelle Investor, und weil ein solcher Markt im Grundsatz allen Teilnehmern gleich dient, ist er die beste Voraussetzung für die möglichst starke Ausprägung des Sozialen. Schließlich geht es nicht um die Rettung einzelner Unternehmen, sondern um Integrität und Vertrauen, die Basis unseer Gesellschaft.
Annette C. Anton: Mädchen für alles. Wie Sie die typisch weiblichen Jobfallen vermeiden.
Campus Verlag, Frankfurt 2009
Frauen in allen Sparten und Branchen bremsen sich selbst aus, weil sie an den großen strategischen Gebilden in ihren Unternehmen kein Interesse zeigen und am Gerangel um Macht und Einfluss nciht teilnehmen. Für sie bedeutet Karriere machen, „ihre Arbeit“ immer ordentlich zu erledigen. Zur Arbeit gehört aber eben auch das Strategische und Politische. Ab einer gewissen Hierarchiestufe überlebt man sowieso nur, wenn man seine großen Ziele fest ins Visier nimmt und sich von all dem einprasselnden Kleinkram nicht erschlagen lässt. Diesen Kram akribisch abarbeiten, nicht delegieren und Nein sagen zu können und ein gewisser Hang zur Selbsausbeutung befördert so manche Frau in ein Hamsterrad, und dann wird auch noch selbstverständlich erwartet, dass man nett sei. Nicht ständig hinter den eigenen Möglichkeiten zurückbleiben, fordert die Autorin, und legt einen „Gegenvorschlag“ zum selbstgewählten Karriereverzicht vor. Das tut sie mit Humor, ohne Bissigkeit und mit einem glaubhaften Quentchen Realismus.
Konrad Stadler: Die Kultur des Veränderns. Führen in Zeiten des Umbruchs.
dtv Verlag, München 2009
Märkte und Technologien verändern sich so rasant, dass kaum mehr langfristige Strategien verfolgt werden können. Was zählt, ist die Nähe zum Kunden, das frühe Erkennen von Marktentwicklungen und neuen Anforderungen, kurz: Wachsein. Das erfordert eine grundsätzliche Veränderungsfähigkeit von Unternehmen. Entscheidend ist dabei, wie Menschen im Unternehmen zusammenarbeiten und ihr Wissen austauschen. Organsiationen stehen sich bei Veränderungen jedoch oft selbst im Weg, sie fordern zwar Veränderung von ihren Mitarbeitern, verhindern diese aber durch festgefahrene Strukturen und Denksysteme. Der Autor entwickelt ein wertegeleitetes Führungsmodell, bezogen auf die Unternehmenskultur und die eigene Führungskompetenz. Das tut er zwar glaubwürdig, jedoch etwas zu wortreich.
Tags: Annette C. Anton, Konrad Stadler, Nikolaus Piper, Utz Claassen

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