Vier wirklich spannende Bücher wollen wir Ihnen für dieses hoffentlich sonnige Wochenende ans Herz legen:
George Cooper: The Origin of Financial Crises. Central Banks, Credit Bubbles and the Efficient Market Fallacy.
Harriman House, London 2008
Hauptberuflich Fondsmanager und Finanzstratege, beschreibt der Autor die Kräfte hinter der scheinbar endlosen Abfolge von Boom und Rezession und die Gründe für die strategischen Fehler, die diese zuletzt noch verschärft haben. Politiker und Wähler müssten akzeptieren, dass es weder möglich noch erstrebenswert ist, per Fiskal- and Geldpolitik unmittelbar auf wirtschaftlichen Abschwung zu reagieren. Und Zentralbanken müssten sich ihrer Kernaufgabe besinnen, das Kreditwachstum zu steuern und lernen, politischem und privatem Druck zu widerstehen, ein endloses, kreditgetriebenes Wirtschaftswachstum zu befördern. Unser Finanzsystem agiert sich nicht gemäß der Hypothese der effizienten Märkte, die die ökonomische Theorie der letzten Jahrzehnte beherrschte. Es tendiert nicht zu einem optimalen Gleichgewicht, sondern ist inhärent instabil und anfällig für verheerende Boom-Bust-Zyklen, die Zentralbanken per Kreditpolitik abzufedern haben. Coopers Vorschlag: Um solche finanziellen Tsunamis zu vermeiden, müssen mehr, aber kleinere Kreditzyklen erlaubt und sogar ermutigt werden, auch zu dem Preis, dass Zentralbanken gelegentlich die Ausweitung der Kreditvergabe einfach stoppen. Was nichts anderes bedeutet, dass Zentralbanken auch schon mal eine Vermögenswertblase, wie zuletzt die am Immobiliensektor in den USA, „aufstechen“ sollten. Das bedingt jedoch ein politisches Klima, in dem eine symmetrische Geldpolitik erlaubt ist: Exzessive Kreditausweitung sollte mit derselben Vehemenz bekämpft werden wie exzessive Kreditverknappung. Der Grund, warum Vermögens- und Kreditblasen bisher nicht bekämpft werden, ist unter anderem das Argument, dass man diese bei ihrer Entstehung, also in ihrer inflationären Phase, nicht als solche erkennt, sondern erst in dem Augenblick, in dem sie zusammenfällt. Cooper ist Anhänger des von anderen erst im Zuge der Finanzkrise wiederentdeckten Ökonomen Hyman Minsky, dessen Theorie der finanziellen Instabilität er an den Themenblöcken Bankensystem und Kreditvergabe erläutert. Das Buch wird zu Recht von namhaften Kommentatoren als wegweisend empfohlen; mit einfachen, aber entwaffnenden Überlegungen werden die der aktuellen Krise zugrunde liegenden Kräfte analysiert.
Henrik Müller: Sprengsatz Inflation. Können wir dem Staat noch vertrauen?
Campus Verlag, Frankfurt 2010
Wenn es nicht gelingt, all die Gelder wieder aus den Systemen zu entfernen, die im Zuge de Krisenbekämpfung hineingeschüttet wurden, könnte nach der Weltrezession eine große Preisexplosion folgen. Schon davor hat eine verdecke Inflation stattgefunden: Notenbanken überschwemmten die Wirtschaft mit Geld, Banken und „Schattenbanken“ (Hedgefonds, Private-Equity-Gesellschaften) erfanden geldähnliche Papiere, das Staatsgeld wichtiger Länder saß locker, doch eine Teuerung blieb aus – Globalisierung und Liberalisierung sorgten für Preisdruck nach unten. Doch nun ortet der Autor, Redakteur des Manager Magazins, eine offene Inflation mit mehreren Preistreibern: Die hohe Staatsverschuldung hemmt die wirtschaftliche Entwicklung, es sei denn, die Schulden werden radikal weginflationiert. In den USA diskutiert man bereits unverblümt über diesen Ausweg. Der große Liberalisierungsschub ist vorbei, ja teilweise zurückgenommen. Weniger Wettbewerb bedeutet mehr Preissetzungsmacht. Der staatliche Protektionismus macht sich bemerkbar. Eine Begrenzung des Angebots auf einzelnen Märkten schafft die Bedingungen für künftige Preissteigerungen. Die Standortkonkurrenz lässt nach, wo die Politik wieder in der Wirtschaft mitmischt. Das sind Bedingungen für Lohnsteigerungen. Die Ära billiger Energie ist vorbei, erst recht, wenn der Aufschwung wieder für Nachfrage sorgt. Die Industrialisierung der Schwellenländer treibt die Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise. Weniger arbeitsfähige, gut oder für die neuen Technologien passend ausgebildete Arbeitskräfte werden die Lohn-Preis-Spirale im Westen wieder antreiben. Und die in der Krise zurückgefahrenen Kapazitäten sorgen dafür, dass die Nachfrage nach der Krise auf ein stagnierendes Angebot stößt. Prägnant, polemisch und schlüssig warnt der Autor vor der Geldbombe und vor den Akteuren, die diese zum Explodieren bringen könnten. Damit sensibilisiert er eloquent für ein Thema, das derzeit (noch) unzulänglich beleuchtet wird.
Philipp Löpfe: Banken ohne Geheimnisse. Was vom Swiss Banking übrig blieb.
Orell Füssli Verlag, Zürich 2010
In der Schweiz wird nach Schätzungen von Experten rund ein Drittel der weltweit vorhandenen Privatvermögen verwaltet. Die Bankiersvereinigung spricht von 2.150 Milliarden Franken. Wer will es da ausländischen Finanzministern und Steuerkommissären verübeln, dass sie misstrauisch sind? Im Land sieht man es anders; „in den Würgegriff genommen“ wähnt man sich angesichts der Forderungen nach Herausgabe von Bankkundendaten. Das Schweizer Bankgeheimnis werde mythisch verklärt, stellt der Buchautor fest, es hatte von Anfang an das Ziel, einheimischen Banken einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und Bankkunden vor dem Fiskus zu schützen. Löpfe führt durch die Geschichte des Schweizer Banksystems und erklärt den „Sonderfall Schweiz“. Er ist überzeugt, dass das ansonsten vorbildlich geführte Land seine Rolle als finanzielles Schlupfloch über kurz oder lang aufgeben wird. Erfrischend ist seine etwas despektierliche Herangehensweise an ehrwürdige Flaggschiffe wie die UBS und seine Protagonisten. Empfehlenswert, vor allem für nachbarliche Bankgeheimnisträger wie uns.
Sonja Radatz: Veränderung verändern: Das Relationale Veränderungsmanagement.
Verlag Systemisches Management, Wien 2009
Relationales Veränderungsmanagement versteht sich als die „Vierte Schule“ des Veränderungsmanagements. Die anderen drei Schulen sind die Expertenberatung, die systemische Organisationsentwicklung und deren Kombination, auch Transformationsmanagement genannt. Von diesen setzt sich das Relationale Veränderungsmanagement deutlich ab, etwa durch Verzicht auf den Vergangenheitsfokus, kürzeste Dauer und durch Neudefinition des Projekts statt Veränderung. Sodann gelingt es der Autorin, sich in atemberaubender Länge zum Thema Veränderungsmanagement zu verbreiten, sodass der Verdacht, hier handle es sich um das Handbuch einer veschworenen Zunft, sich zunehmend erhärtet. Deshalb haben wir es schnell wieder aus der Hand gelegt.
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