Es brauchte einen – allerdings stark einseitig verfassten – Artikel über Julius Meinl, jenen in Österreich ansässiger Bankier mit britischer Staatsbürgerschaft, um eine der überraschendsten Fakten dieses Sommers zu enthüllen. Julius Meinl V., der Mann mit der gerade nach groteskesten Tolle der Republik, war beim Coiffeur. Und die Tolle ist ab. Einfach so. Was Julius Meinl geritten hat ist unbekannt. Vielleicht, so mutmaßt man, wollte er auch einfach einen heimischen Richter überzeugen. Denn Meinl klagte, dass er, Nachfahre der ehrwürdigen Kaffeeröster-Dynastie, die während der NS-Zeit nach England flüchten musste, zu Unrecht mit dem schlimmsten Despoten des 20. Jahrhunderts verglichen wurde. Zur Vorgeschichte: Das Magazin „Format“ hatte im Mai 2010 auf der Titelseite die Schlagzeile “Meinls Kampf” – und einem Bild mit Julius (inklusive Tolle!) veröffentlicht. Obwohl dies gerade aufgrund der Familiengeschichte tatsächlich ein wenig Geschmacklos scheint, durften sich die Redakteure vom Format doch im Juli über einen Richterspruch freuen, wonach gegen die Darstellung Meinls im Rahmen der Pressefreiheit nichts einzuwenden wäre. Der Haarschnitt hat also, so scheint es nichts gebracht. Einzig die britische Presse ist, wie dieser Artikel beweist, wirklich aufgebracht.
Tags: Julius Meinl