Ein höchst spannend geschriebenes – und erstaunlich lehrreiches – Managementbuch, einen interessanten Einblick in eines der größten Unternehmen der Welt und eine Einführung in Soziale Medien wollen wir Ihnen für dieses Wochenende ans Herz legen.
Peter Klaus Brandl: Crash Kommunikation. Warum Piloten versagen und Manager Fehler machen.
Gabal Verlag, Offenbach 2010
Flugzeugunglücke und unternehmerischen Fehlentscheidungen weisen erstaunlich Parallelen auf – beiden liegt zumeist sogenanntes „menschliches Versagen“ zugrunde. Von Versagen möchte der Autor nicht sprechen, vielmehr hält er den menschlichen „Faktor“ entgegen: Der technische Fortschritt überfordert den Orientierungssinn des Menschen, der von Emotionen genauso beeinflusst und in seiner Wahrnehmung genauso limitiert ist wie seine Vorfahren. Was im Flugzeug-Cockpit gilt, gilt weitgehend auch in den „Firmen-Cockpits“, wo die „Unternehmenspiloten“ am Steuer sitzen. Mit „Crew Resource Management“ versucht man in der Luftfahrt solche verhängnisvollen Entscheidungen zu analysieren und abzusichern – dasselbe gelte auch fürs Management, meint Brandl, der selbst Pilot ist. Ein Beispiel: Im Jahr 1987 kam es über dem Nordatlantik zu einem Beinahe-Crash, ausgelöst durch eine fehlerhafte Programmierung des Navigationssystems durch die Piloten eines der Flugzeuge. Der Zwischenfall wäre verschwiegen worden, wenn nicht die Flugäste eine Erklärung eingefordert hätten. Als Konsequenz wurde eine neue Kodierung eingeführt und mit dem „Non-Punishment Reporting System“ sichergestellt, dass Fehler ohne Sanktionen eingeräumt werden dürfen. Eine fehlerfeindliche Kultur führt nicht nur zum Vertuschen und Verschweigen von Fehlern, sondern auch dazu, dass Menschen sich scheuen, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues zu wagen. Voraussetzung für eine positive Fehlerkultur ist allerdings eine Unternehmenskultur, die von Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt ist – kein Angestellter wird seine Fehler offen eingestehen, wenn der Chef selbst das nicht tut. Ein konstruktiver Umgang mit Fehler bedeutet auch, Ursachen zu suchen statt Schuldige: Schuldzuweisungen führen bloß zu Vertuschungsmentaltität. Ob Stresssituationen, blinde Zielfixierung, verschwommene Zuständigkeiten oder selbstherrliche Autoritäten – Brandl findet genügend Crash-Beispiele aus der Luftfahrt und leitet diese klug und ohne peinliches Zurechtbiegen in die Bereiche unternehmerischer Aktivität über. Als Coach, der er auch noch ist, fasst er das Gesagte in schlüssige „Anti-Crash-Formeln“ zusammen.
Mike Rother: Die Kata des Weltmarktführers.
Campus Verlag, Frankfurt 2009
Ein effektives Managementsystem ist eines, durch das sich eine Organisation stets an unvorhersehbare, dynamische Verhältnisse anpasst und Kunden zufrieden stellt. Entscheidend ist, wie Menschen eine Situation wahrnehmen und verstehen und dass sie auf eine Weise reagieren können, die das Unternehmen an die Spitze bringt. Eines der besten Beispiele eines anpassungsfähigen, sich permanent verbessernden Unternehmens ist Toyota. Viele seiner Managementwerkzeuge wie Kanban oder Lean Management wurden bereits beschrieben und angewendet, doch ein durchschlagender Erfolg blieb meistens aus. Deshalb unternimmt der Autor einen „Blick unter die Motorhaube“ bei Toyota: Was sind die täglichen Verhaltensmuster und wie werden sie gelehrt? Durch die Beschreibung der „kata“, der Denk- und Verhaltensmuster, soll der Kontext vermittelt werden, in dem Toyotas Methoden, Techniken und Prinzipien entwckelt werden und funktonieren. Diese Muster sind nicht sichtbar und in Unterlagen beschrieben, und dennoch werden alle Mitarbeiter auf diese Weise geführt. Sie unterscheiden sich so sehr von anderen Führungsstilen, dass Außenstehende sie nicht so ohne weiteres verstehen oder auch nur erkennen können. Im Kern handelt es sich um „Management by Means“ statt „Managing by Results“ – organisatorische Routinen für Verbesserung und Adaptoion und nicht quantitative/finanzielle Ziele definieren den Weg zu Wettbewerbsvorteil und langfristigem Überleben. Rother hat in sorgfältiger Recherche zahlreiche Beispiele zusammengetragen, die für Manager von Produktionsbetrieben von Wert sein könnten.
R. Schüter, M. Münz: 30 Minuten Twitter, Facebook, XING & Co.
Gabal Verlag, Offenbach 2010-08-22
In der bewährten 30-Minuten-Reihe werden die drei wichtigsten Kommunikationsplattformen vorgestellt. Die Autoren erläutern die generelle Bedeutung und ihre Unterschiede in privater und beruflicher Verwendung. Große Sorgfalt legen sie auf die Risiken, die mit dem Veröffentlichen privater Daten verbunden sein können. Folgerichtig erläutern sie nicht alle Anwendungen im Detail, sondern warnen eindrücklich vor Fallstricken, die in den einzelnen Social Media gelegt sind. Es wird quasi von der Gegenseite aus beschrieben, was der Nutzer über sich preisgibt und in welche falschen Kanäle es geraten kann. So gesehen ist das Büchlein sicher kein umfassender Anwendungsleitfaden, aber bietet selbst für bestehende Nutzer einige nützliche Hinweise.